Die Skala der Ausbildung


"Richtig Reiten reicht."

Die viel zitierte Skala der Ausbildung... Quasi überlebenswichtig, die Bibel der Reiter und zugleich das Nachschlagewerk,  unentbehrlich während der Ausbildung und zur Überprüfung des Ausbildungsstandes, ein einfacher prägnanter Auszug aus dem Wichtigsten für Reiter und Pferd. Ich habe mir die Mühe gemacht, euch die Skala der Ausbildung und meine Gedanken dazu noch einmal verständlich näher zu bringen. Bitte bedenkt abschliessend das die Skala der Ausbildung nicht rein chronologisch "abgearbeitet" werden darf, sondern zum grossen Teil ineinandergreift und sich auch teilweise deckt.

 

Übrigens- nach und vor sowie zwischen Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung kommt immer Lächeln! Weil Reiten Spass macht und wir zu unserer Freude reiten!


Takt

Die unterschiedlichen Schrittlängen und der unterschiedliche Schwung sowie die verschiedenen Fussfolgen (sowie Fussungsneigung: siehe rechts leicht kuhhessig, breites Fussen) im Schritt sind hier ersichtlich.

"Takt ist das räumliche und zeitliche Gleichmass aller Schritte, Tritte und Sprünge.", so lautet die offizielle Definition. Weiter heisst es: "Der Takt muss in allen Tempi (...) gegeben und erhalten bleiben."

 

Leider ist die Taktlosigkeit vieler Menschen- darunter auch nicht wenige Reiter- für viele Reiter leichter zu erkennen als ein gleichmässiger Takt des Pferdes. Ganz gleich ob sich dieses nun im Viertakt, Zweitakt oder Dreitakt bewegt ist auch ein Schreiten, Treten oder Springen auf gebogenen Linien nur korrekt wenn es im zitierten Gleichmass erfolgt.

Was bedeutet das für den Freizeitreiter, den jungen Ponyreiter oder ganz einfach jemanden der sich noch nicht allzu viel mit diesen Themen der Theorie auf die Praxis bezogen beschäftigt hat?

 

Reite primär im Grundtempo deines Pferdes! Doch dafür musst du dieses erst einmal kennen.

Beobachte dein Pferd im Freilauf, im Spiel, an der Longe und erfühle sein (fleissiges, aber nicht eilendes) Arbeitstempo. Zu wissen welches Tempo denn überhaupt das ideale "Mass" für das Pferd ist ist essentiell auf dem Weg zum richtigen Takt.

 

Leider gibt es jedoch auch Pferde welche aus dem Takt gebracht wurden:

Es gibt Schleicher und Schnecken, Staubsauger, Sterngucker, Pferde die rennen als wären sie auf der Flucht, Hinter-dem-Zügel-Verkriecher und In-die-Brust-Beisser. All diese Pferde haben eines gemeinsam- sie haben den gleichmässigen Takt verloren. Oft sieht man Schulpferde- und Ponys die theoretisch gar nicht in einer Abteilung laufen können, weil sie so enorm unterschiedliche Arbeitstempi, Schrittlängen und Bewegungsschwung haben das viele Ponys taktlos hetzen und grossrahmige Genossen taktlos schleichen müssen. Hier muss eine Reitschule jeweils den Reitlehrer in die Verantwortung nehmen und das Auge darauf schulen alle Pferde in taktreinen Bewegungen zu fördern. Ich selbst bin kein Freund des reinen Abteilungsreiten und doch kann man auch in einer Abteilung so taktisch vorgehen, dass jedes Pferd und Pony sein Tempo und damit seinen reinen Takt halten kann.

Ein noch grösserer Faktor ist jedoch- wie so oft- der Reiter. Störende, harte Handeinwirkung können zu so starken Taktfehlern führen, das das Pferd als zügellahm bezeichnet wird. Auch ein den Bewegungablauf- und Fluss störendes Verhalten wie ein festgehaltenes Becken oder fehlendes, falsches oder störendes Treiben können Einfluss auf den Takt haben.

Es gibt so viele Möglichkeiten den Takt- naturgegeben beim gesunden Pferd rein und gleichmässig- zu beeinträchtigen, mitunter sogar gänzlich zunichte zu machen.

Da habe ich gute Neuigkeiten für die unter euch, die den Takt ihres Pferdes fördern und behüten wollen:

 

- Reitet viel ins Gelände. Was so simpel klingt ist es in der Tat auch. Im Gelände, vermehrt auf geraden Strecken läuft der Grossteil der Pferde schon von sich aus motiviert und fleissig im gleichmässigen Takt. Unterstützt euer Pferd indem ihr auch im Gelände reitet und euer Pferd nicht nur dahinlatschen lasst.

 

- Gebt eurem Pferd die Möglichkeit zu so viel freiem Auslauf wie möglich (Schritt, Trab & Galopp).

 

- Arbeitet euer Pferd auch vom Boden aus (Longieren, Bodenarbeit, Handarbeit ect.) und achtet darauf das Grundtempo eures Pferdes zu wahren (auch wenn das manchmal heisst neben seinem Pferd fast einen Marathon zu rennen).

 

- korrekte Cavalettiarbeit und Stangen (Taktstangen) fördern den Takt. Über Sprünge hetzen und falsche Abstände zwischen den Stangen ruinieren ihn jedoch.

 

-häufige Übergänge und allgemein gymnastizierende Arbeit kommen selbstverständlich auch einem reinen, korrekten Takt zugute

 

- zuletzt: investiert in gute Ausrüstung, lasst euren Sattel regelmässig vom Sattler kontrollieren und ggf anpassen, tauscht defekte Gegenstände und spart nicht an Tierarzt und Osteo

 

- pflegt auch eure Gesundheit und körperliche Verfassung dem Pferd zuliebe

 

 


 

 

Losgelassenheit

Losgelassenheit der anderen Art und Weise

Die Definition der Losgelassenheit wird viel diskutiert. Es gibt viele, teilweise verwirrende und auch sich widersprechende Aussagen zur Losgelassenheit. Ich erkläre euch kurz, was ich persönlich unter dem Begriff der Losgelassenheit für alle Pferde, einschliesslich der Jungpferde die sich noch nicht im klassischen Sinne selbst tragen können verstehe:

 

Das Pferd nimmt das Gebiss willig an, dehnt sich also vertrauensvoll an die Reiterhand (gebisslos ebenso möglich). Durch die lockere Kiefermuskulatur und eine ebenso entspannte, dem Ausbildungsstand entsprechende Kopf- und Halshaltung (bei Jungpferden von Aufrichtung zu sprechen ist meiner Meinung nach nicht korrekt) kann die Bewegungsenergie (später  auch den Schwung) aus der fleissig (energisch bei weiterer Ausbildung) abfussenden Hinterhand über einen locker schwingenden Rücken übertragen werden.

Es wird nach diversen Quellen von "zwanglos" und "losgelassen" gesprochen, wobei die Zwanglosigkeit eben primär die lockere, aber noch nicht selbsttragende Remonte meint und Losgelassenheit mit Einhergehen eines durchschwingenden und herantretenden Hinterbeins, eine vermehrte Rückentätigkeit sowie einer relativen Aufrichtung mit kauendem, geschlossenen Mauls beschrieben wird.

 

Jedem Reiter sollte, gleich welche Definition er bevorzugt, ein lockeres und zufriedenes Pferd in der täglichen Arbeit wichtig sein.

Gute Möglichkeiten zur Förderung und Überprüfung der Losgelassenheit können sein:

 

-das Reiten am hingegebenen oder auch langen Zügel, gut kombinierbar mit dem taktfördernden, fleissigen Reiten im Gelände sowie das Reiten grosser gebogener Linien.

 

-ebenso die gymnastizierende Arbeit mit vielen Übergängen, Handwechseln sowie Schenkelweichen (später auch Konterstellung) und übertreten.


-ein korrektes Wechseln des Gangmasses wie Tritte verlängern und wieder abfangen und damit das Erhalten der Lauffreude und ein Abfragen der Hinterhandaktivität.

 

-Schlangenlinien der alten Schule- mit vielen Bögen und dementsprechend häufigem, korrekten Umstellen und wieder geradeaus Reiten.

 

-Zügel aus der Hand kauen lassen und Überstreichen zur Überprüfung einer korrekten Anlehnung und vermeiden vom "Abstützen" auf der Reiterhand/dem Gebiss.

 

 

 


Anlehnung

Eine vertrauensvolle, stetige Anlehnung bedarf auch des Wissens über das richtige Gebiss für das jeweilige Pferd sowie die richtige Zäumung und des Gesundheitsstatus insbesondere der Zähne sowie des ganzen Pferdes.

Anlehnung ist kurz wie folgt definiert:

 

"Eine (weiche) Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand." Teilweise wird auch die Rückentätigkeit sowie die Aktivität der Hinterhand als Folge einer korrekten Anlehnung erwähnt, was ich für wichtig und richtig halte.

 

Ein Pferdekopf ist besonders in der heutigen Zeit des Pferdesports schnell heruntergezogen, zugeknebelt und das Pferd damit wortwörtlich mundtot gemacht. Besonders im Springsport sieht man die abenteuerlichsten Kombinationen von Zäumen, Reithalftern, Hackemore, Kandaren und diversen Wassertrensen mit Aufzügen oder Anzügen mit Hebelwirkung. Aber auch der Dressur- oder Westernsport bildet da keine Ausnahme, was unwissende (Freizeit-) Reiter oft sogar ohne böse Absicht nachahmen. Die Wirkungsweisen der Gebisse nach heutigem wissenschaftlichen Kenntnisstand sowie meinen persönlichen Erfahrungen werde ich gerne in einem seperaten Blog-Eintrag aufgreifen, das würde inhaltlich den Rahmen sprengen. Meiner Meinung nach sollte jedoch jeder Reiter wissen was für anatomische Gegebenheiten das Maul seines Pferdes mitbringt (lange/kurze Maulspalte; Dicke der Zunge; Höhe des Gaumens; Winkelung der Unterkieferäste; Ladenbeschaffenheit; Zahnstatus ect) und wie die jeweiligen Gebisse überhaupt in ihrer Wirkungsweise ansetzen. Erst dann kann ich als Reiter mein Pferd seines und meines Ausbildungsstandes und des Einsatzes entsprechend ausrüsten.

Hat das Pferd eine passende Ausrüstung erhalten, darf es einen feinen, nachgebenden und korrekt einwirkenden Ausbilder, dem die Wichtigkeit des korrekten Taktes und einer guten Gymnastizierung mit lösender Arbeit oberste Priorität war sein Glück nennen, so kommt die Anlehnung wie sie beschrieben ist von ganz allein.

 

Ich werde oft kontaktiert mit der Schilderung eines besonderen Problems: das Pferd geht "nicht am Zügel", zieht den Kopf immer hoch und entziehe sich den Zügelhilfen. Das hier viel früher schon viel massiver Defizite in der Grundausbildung vorliegen möchte der Reiter aber oft nicht hören. Oft auch behindert eine unpassende und schmerzende Ausrüstung oder ein gesundheitliches Problem das Pferd in seinen Möglichkeiten. Ist dies alles abgeklärt und vorhergehende Probleme aus der Welt geschaffen liegt die Lösung (im wahrsten Sinne des Wortes)  so nah: arbeitet eure Pferde korrekt!


Nehmt euch Zeit, reflektiert euer Tun.


Ein Pferd das seine Bewegungsenergie aus einer aktiven Hinterhand mit vorschwingendem (später auch untertretenden) Hinterhand geschmeidig über den locker an- und abspannenden Rücken in einen getragenen Hals, ein freies Genick und ein lockeres und zufriedenes Maul fliessen lässt wird euch bei entsprechender Gymnastizierung und guter konditioneller Verfassung die Anlehnung schenken.

Gerne helfe ich euch dabei.

 

Ich möchte von den zugeschnürten Mäulern, von blau angelaufenen Zungen und von über 10 Kilogramm Zugkraft pro Zügel fort zu einem zufriedenen Pferd das kein Reithalfter und kein scharfes Gebiss nötig hat sondern aus freien Stücken dank einer reellen Ausbildung zufrieden mit uns zusammenarbeitet und die korrekte Anlehnung von sich aus anbietet. Ich freue mich auf all die Reiter, die das gleiche Ziel verfolgen und mit mir zusammen arbeiten wollen.

 

"Auf jedes Annehmen folgt ein Nachgeben."

"Das Annehmen hat noch kein Reiter vergessen. Das Nachgeben schon."

(Paul Stecken)

 

 


Schwung

Ein junges, noch unausbalanciertes Pferd im verstärkten Trab

Schwung:

Gemäss den Richtlinien für Reiten und Fahren der deutschen reiterlichen Vereinigung Band 1 ist Schwung wie folgt definiert (Zitat):

"Schwung ist die Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand auf die Gesamt-Vorwärtsbewegung des Pferdes. Ein Pferd geht schwungvoll, wenn es energisch abfußt und in der Schwebephase mit seinen Gliedmaßen gut nach vorne durchschwingt. Ein Pferd muss losgelassen und mit federnd schwingendem Rücken und einer weichen, korrekten Anlehnung gehen um schwungvoll traben und galoppieren zu können. (...)"

 

Das klingt zu schön, es muss ein Traum sein auf einem Pferd zu sitzen dass, wie von der FN beschrieben nach vorne durchschwingt und dabei seine Hinterhand als Kraftquelle nutzt.  Gesehen habe ich bisher nur eine handvoll Pferde, die tatsächlich unter dem Sattel reell geritten waren und dabei den oben beschriebenen Schwung entwickeln konnten-man muss beinahe sagen- durften. Entgegen der Ansicht der FN bin ich der Meinung das Schwung nicht erst das Ergebnis reiterlicher Ausbildung ist und nur durch hinzufügen von Losgelassenheit, Schub aus der Hinterhand und Durchlässigkeit unter dem Reiter zu erreichen ist, sondern entgegen der Geraderichtung schon naturgegeben ist. Schaut man sich auf den weitläufigen Aufzuchtweiden in Nordrhein-Westfalen die Jungpferdeherden der Dressurpferde an sieht man Schwung -wie oben benannt- wie er nicht schöner und authentischer sein könnte. Jedes gesunde Pferd hat nach meiner Ansicht selbstverständlich dem Exterieur entsprechend auch ohne jegliche reiterliche Einwirkung die Möglichkeit Schwung zu entwickeln. Ein Quarter sicherlich in einem anderen Ausmass als ein Shire, der widerrum anders als ein Vollblüter auf der Rennbahn, ein Holsteiner Springpferd oder ein dressurbetont gezogener Hannoveraner. Gerade die Pferde in der Vielseitigkeit-oft Vollblüter oder Pferde mit einem hohem Vollblutanteil demonstrieren trotzdem eindrucksvoll wie wunderbar unterschiedlichste Disziplinen (hier Dressur, Springen und Geländestrecke) mit einer reellen Berücksichtigung aller Elemente der Skala der Ausbildung vereinbar sind. Die Qualität des Schwungs oder auch die Qualität der Versammlung ist für mich nicht so elementar wie dem  Pferd die Möglichkeit zu geben sich entsprechend seiner körperlichen Gegebenheiten (kurz/langbeiniges Pferd; Antei roter und weisser Muskelfasern; Ganaschenfreiheit, Winkelung der Hinterhand ect pp) ohne Druck und Zwang (dazu zählt schon ein zu eng verschnalltes Reithalfter oder eine rückwärts einwirkende Hand) bestmöglichst unter Einbeziehung der mentalen Verfassung (sprich kognitive Reife, Motivation, Verständnis ect) zu entwickeln.

Das nimmt viel Zeit in Anspruch, Verständnis, Gefühl und auch den Mut gegebenenfalls einen Schritt zurück zu gehen und Basisarbeit zu vertiefen.

Nichts ist so schnell verdorben wie ein guter Takt, dadurch wird langfristig der Schwung und auch die Freude des Pferdes diesen Schwung zuzulassen und anschliessend an dessen krönender Verbesserung mitzuarbeiten beeinflusst.

Wir, Reitlehrer und Reitschüler müssen zurück von den strampelnden Totilas dieser Dressurwelt und wieder die authentische Förderung unserer Pferde in den Fokus rücken. Die modernen Sportpferde lassen immer mehr Gewalt gutmütig über sich ergehen, werden schöner, bringen gewaltige Gänge mit, immer mehr Potential, das immer weniger Reiter überhaupt handhaben können. Denn die Mühe, die jahrelange Arbeit ein Pferd reell auszubilden möchte sich kaum mehr einer machen- wäre ja auch schade das talentierte Jungpferd nicht fünfjährig schon vorstellen und damit prahlen zu können. Entgegen dieser Vorstellung habe ich ein 20-jähriges Pferd, vielleicht sogar 25-jähriges Pony im Kopf, das auf gesunden, klaren Gliedmassen steht, einen belastbaren, gestärkten Rücken zeigt, über eine freie Lunge verfügt und in bester Grundkondition das in seinem Leben erlernte freudig und motiviert ausführen möchte.

Wer möchte mit mir an solchen Bildern wirken?

 

 


Geraderichtung

Dieses Pferd fusst im Aussengalopp noch am Schwerpunkt vorbei, um fehlende Kraft und Balance auszugleichen. Das Pferd muss entsprechend gearbeitet werden, sodass später beide Seiten des Pferdes in etwa gleichmässig geschmeidig gymnastiziert sind.

Seunig: "Jedes Pferd, das diese Bedingung einer gleichmässigen Belastung der inneren und äusseren Beine erfüllt, sei es nun je nach Erfordernis, linear geradeaus gestellt oder in einer bestimmten Rippenbiegung, ist geradegerichtet."

 

Steinbrecht: "Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!"

 

Uff. Das klingt theoretisch und kompliziert, ist es aber gar nicht.


Vorab zum allgemeinen Verständnis gehe ich davon aus, dass jeder Reiter von der natürlichen Schiefe des Pferdes Kenntnis hat. Diese natürliche Schiefe (in etwa wie bei uns die Rechts- oder Linkshändigkeit) beschreibt ganz vereinfacht gesagt das das Pferd ohne jegliche Ausbildung naturgegeben eine stärkere (hohle) und eine schwächere (steife) Seite was dadurch bedingt ist das auf der hohlen Körperseite die Muskeln stärker, etwas verkürzt sind und einen höheren Tonus aufweisen können. Muss sich das Pferd nun entgegen seiner hohlen Seite auf einer gebogenen Linie bewegen muss es gegen diese anatomischen Gegebenheiten arbeiten. Es gleicht diese Defizite mit diversen Bewegungsmustern aus, wird letzendlich schief, fällt über die Schulter aus, verkrampft und fusst am Schwerpunkt vorbei. Die ungleiche Belastung auf Muskeln, Sehnen, Bände, Knorpel und Gelenke und der langfristig entstehende Verschleiss derselben ist in Verbindung mit der Belastung durch den Menschen (Reiter, Kutsche) denkbar schlecht für unser Pferd.


Also richten wir unser Pferd gerade! Das klingt zu einfach und all zu kompliziert ist es auch nicht wenn man einen geschulten Ausbilder zur Unterstützung hat.

 

Ist ein Pferd geradegerichtet ist es sozusagen auf beiden Seiten gleich geschmeidig, heisst im Gleichgewicht, kann sich zu beiden Seiten (annähernd) identisch dehnen und biegen, kann den Schub und die Tragkraft aus der Hinterhand durch den geradegerichteten Körper hindurch voll nutzen und fusst auf geraden wie auf gebogenen Linien exakt in die Spur der Vorderhufe ( ähnlich der Achsen einer Eisenbahn auf den Schienen).

Dies ist ein langer und arbeitsreicher Prozess, so müssen wir unserem Youngster erklären warum es sinnvoll ist die "blöde" Seite vermehrt zu arbeiten. Haben wir geschafft dem Pferd durch interessante, abwechlungsreiche lösende und gymnastizierende Ausbildung die geraderichtende Arbeit schmackhaft zu machen kommt immer mehr von ganz allein. 


Die geraderichtende Arbeit bleibt für das Reitpferd ein lebenslanger Prozess und wird durch eine sinnvolle Gymnastizierung gefördert & erhalten.   

Eine korrekte Stellung & Biegung sind unerlässlich zum erreichen der Geraderichtung.



Wunderbare Übungen zum Erreichen und zur Förderung der Geraderichtung sind beidseitig und im Wechsel einfache gebogene Linien, Schlangenlinien, Volten, Zirkel, später auch Seitengänge, das Reiten in Stellung und Konterstellung.

Hier ensteht auch die Vorarbeit für erste versammelnde Lektionen.

 


Versammlung

Versammlung einmal anders gesehen

Hier werde ich gerne aufgrund verwirrender Definitionen noch einmal meine persönliche Umschreibung der Versammlung wiedergeben:

 

Ganz vereinfacht gesagt besagt Versammlung die vermehrte Lastaufnahme des Reiter- und Pferdegewichts.

Was bedeutet Versammlung aber konkret?


Der Schwerpunkt des Pferdes, welcher beim unausgebildeten Jungpferd im vorderen bis mittleren Drittel des Pferdekörpers liegt (ich erinnere das teilweise mehr als 60 % des Pferdegewichts auf der Vorhand ruhen) verlagert sich nach hinten. Genauer nimmt die Hinterhand des Pferdes Last auf, was bedeutet das die Hinterbeine unter den Schwerpunkt, also Pferdekörper treten. Eine vermehrte Hankenbeugung & ein Absenken der Kruppe gemeinsam mit einem Aufwölben des Pferderückens entlastet die Vorhand und macht sie beweglicher und freier, die Selbsthaltung und Durchlässigkeit des Pferdes ist nun gesteigert. Der Hals des Pferdes ist nun selbstgetragen in einer (leider auch auf hohem Niveau oft falsch künstlich erzeugten) Aufrichtung, das Maul weiterhin locker geschlossen und tätig, das Genick frei.

Dieser Zustand lässt sich beispielsweise bei der hohen Schule zu einem gewissen Mass steigern, wobei entsprechende Lektionen die Krönung der Versammlung darstellen.

 

Wie auch bei den vorhergehenden Punkten der Ausbildungsskala gibt es auch hinsichtlich der Versammlung viele Fehlerquellen. Auch bei hohen Dressurprüfungen sieht man oft Pferde die mit festem Rücken, ohne jegliches Schwingen zwar blendend mit der Vorhand strampeln, allerdings Rückentätigkeit und aktive Hinterhand vergessen werden, dabei die Pferde in sich immer länger werden und die Schönheit die diese hohe Kunst ausmacht verloren geht. Kein scharfes Gebiss, keine grobe Reiterhand und kein quetschender Schenkel kann eine authentische, völlige Losgelassenheit, eine einhergehende reelle Anlehnung und eine darauf aufbauende wahrhaftige, taktreine Versammlung die den Schwung des Pferdes nicht untergäbt herbeiführen.

Tatsächlich behinhaltet die Versammlung kein "einschlafen", langsamer werden, Schwunglosigkeit der Bewegung oder Verkürzung der Tritte sondern konzentriert sich auf die "Erhaltung der schwungvollen Frische (...), die Lebhaftigkeit und Reinheit des Sprunges in der Geraderichtung." (Seunig)

 

Die Versammlung ist die Krönung des klassischen Reitsports und

nicht zu unterschätzen, eine jahre- wenn nicht jahrzehntelange Arbeit und ein Prozess im Pferd selbst.

 

Vorbereitend zur versammelnden Arbeit zähle ich beispielsweise korrekte, taktreine Übergänge, Tempiwechsel innerhalb einer Gangart, einfache Galoppwechsel, das Rückwärtsrichten (gerne auch am Hang), ganze Paraden, alle Lektionen in Aussenstellung, Kruppehervor/Schulterhevor, Seitengänge, Kurzkehrt, Hinterhandwendung bis später halbe Tritte, Piaffe, Passage, fliegende Wechsel usw.

 

Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg und euer Pferd bei korrekter Ausbildung mit genügend Zeit und Musse  schon ein wenig weiser.